Neulich, im Vertretungsunterricht einer JÜL Klasse 1-3 wird mir immer klarer – – – Schüler kommen in der Schule auch ohne Lehrer aus. Es ist diese eine Beobachtung während der V-Stunde, in der ich zu diesem Schluss komme, doch ich unterrichte im Moment auch in einer JÜL Gruppe 1-3 das Fach Deutsch mit 5 Wochenstunden, um eine länger erkrankte Kollegin zu vertreten, und auch hier bestätigt sich meine Beobachtung – aufs Äußerste.

Alle sind mit Material versorgt, wir starten unsere Deutsch-Runden mit einem kurzweiligen (Deutsch-)Spiel, und schon geht`s los.
Hier kommt am meisten Schwung in die Bude, wenn die Kinder alleine ein Spiel spielen, weil Mary Poppins at school ihnen vorschlug: “Spielt doch einmal etwas miteinander, was ihr ohne mich könnt, ich gucke euch so gerne dabei zu. Und – ich lerne gern neue Spiele kennen, die kann ich auch in den anderen Klassen einsetzen, da freuen sich die Kinder!”

Lehrer funktionieren auch als Cheerleader der Kinder. Warum nicht?

Schuppdiwupp, Kinder wählen geeignete Spielführer aus (Mary Poppins at school lehnt sich ein wenig zurück), und die Sache läuft. Ich bin oft so begeistert, vom Rande zusehen zu können, und werde zum Cheerleader jedes Spielführers, denn auf die kommt es nun an… ob das Spiel erfolgreich gespielt werden kann, d.h., ob die Regeln eingehalten werden und  – im Tohuwabohu, welches hin und wieder ausbricht – auch mal glasklare Entscheidungen getroffen werden, damit das Spiel weitergehen kann, ob der Spielfluss gewährleistet bleibt, usf. usf.

Studieren wir später weiter die deutsche Grammatik o.ä., ist es eine große Freude für mich, zu beobachten, wie leichtfüßig  die Kinder nun zum MP2rulesUnterricht übergehen.

Sitzen die Regeln einmal gut, brauchen sie keinen Lehrer mehr. Es entsteht eine sanfte, weiche, feine Dynamik, die hier Raum greift, und sämtliche Schüler fühlen sich wohl an ihrem Platz, munter und zufrieden.

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Kein regulierender Lehrer, kein regulierendes Gemecker, keine Zurechtweisungen oder gar Ausgrenzungen, kein Bloßstellen vor der Gruppe.

Jeder arbeitet gleichberechtigt an seinen Aufgaben, stets einer Hilfe gewahr.
Kinder kommen in ihre eigene Kraft, sie entdecken, zu was sie alles fähig sind.
Die Lernstärksten gewinnen noch an Power hinzu, sie vertiefen ihr Know how, indem sie um Hilfe gebeten werden.
Während meiner Arbeit an meinem 3.Buch „Schule im Aufbruch / Migranten – und Flüchtlingskinder, Schüler lehren Schüler oder „Die beste Schule der Welt“ (UNESCO)”  entdeckte ich den innovativen, wegweisenden Psychiater und Visisonär Dr. William Glasser (1925-2013), der meine Beobachtung mit seiner Forschung bestätigt. In meinem dritten Buch zeige ich auf, welch enormer Fortschritt die von mir entworfene und erprobte Lehrmethode “SchülSchül” (Schüler lehren Schüler) für die Spracherziehung von Migranten und Flüchtlingsschülern bedeutet. Einer der wesentlichen Grundpfeiler meiner Arbeit besteht darin, das Gute und Positive in jedem von uns zu sehen; ob Schüler oder Kollege oder Eltern der mir anvertrauten Kinder, Mary Poppins at school vertraut auf das Göttliche in jedem von uns.
Auch Dr. Glasser hat sich dem gewidmet, Menschen dabei zu helfen, ihre geistige Gesundheit und ihr Glück zu verbessern und ihm war stets daran gelegen, Kindern beizubringen, wie sie eine gesunde Beziehungen zu sich selbst und zu anderen entwickeln können. Er war Pionier für seine Zeit, und er wirkte mit warmen Herzen, soviel hat mir seine Arbeit vermittelt.
Darüber hinaus beschreibt er als Leiter eines Heimes für psychisch auffällige Kinder und Jugendliche in seinen Büchern, wie er glaubte, dass die Menschen ihr Verhalten wählten und sie es deshalb verändern könnten. 

Einmal näherte sich eine Frau seinem Haus und bat ihn um Ratschläge, wie man mit ihrem 3-jährigen Sohn umgehen sollte. Er hielt lange inne, er besann sich auf seine Seele, und machte ihr zwei Vorschläge: “Behandeln Sie ihn immer so, als wäre er gut. Stellen Sie sich unter allen Umständen vor, wie dies gelingt.” 

Anfang 1989 diente Dr.Glasser als Mitglied der herausragenden Fakultät bei der Evolution der Psychotherapie-Konferenz, die von der Milton-Erickson-Stiftung gesponsert wurde und die “Pioniere im psychologischen Beruf” versammelten.
Zudem entwickelte er im Lauf der Zeit ein Bildungsreformprogramm, das heute als “The Glasser Quality School” bekannt ist.

William Glasser war der Auffassung, dass das Unglück der meisten Menschen aus ihren Versuchen stammt, ihr Bedürfnis nach Liebe und Zugehörigkeit zu erfüllen, indem sie versuchen, ihren Partner oder einen bedeutenden anderen zu kontrollieren. Aus meiner Sicht war er einer der Pioniere der Erforschung des Selbst, einer, der seine tiefen Erkenntnisse aus dem charismatischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen gewonnen hat! 

Dr. Glasser hat die Hilfe, die von jedem einzelnen Schüler ausgehen kann, hoch eingeschätzt. Dem möchte ich hinzufügen, dass ein Kind enorm hinzu lernt, indem es anderen sein Wissen mitteilt, also es anderen Schülern vermittelt. Durch diese Vermittlung wird sein eigenes Wissen erheblich vertieft und zusätzlich gesichert! Warum diese Tatsache nicht vermehrt auf MPatschool-Art einsetzen und sie sich zunutze machen? Mich wundert, warum diese Erkenntnis eines solch erfahrenen Psychiaters keinerlei Aufmerksamkeit in unserem Bildungswesen findet, da man als qualifizierte Lehrerin doch das Rad nicht in jedem Unterrichtsfach zu jeder Gelegenheit neu erfinden muss…

Schüler unterrichten sich selbst – sie brauchen keine Lehrer mehr!

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Ich nehme an, dass es den Kindern riesen Spaß machen würde, wenn sie die Schule ganz für sich einnehmen können!
Das Potential ihrer Freude ist unermesslich, und es braucht hierfür – ein Zügel aus der Hand geben.
Vertrauensvoll, zuversichtlich, hoffnungsfroh.

Ich habe mich übrigens auf diesem Gebiet inspirieren lassen von einer Schule, die diesen Gedanken weitreichend lebt. Die Ergebnisse der Bildungsarbeit an dieser Schule sind phantastisch! Der Schulleiter (ein Musikprofessor) wurde befragt, wieviele Schüler und Lehrer er an seiner Schule hätte. Daraufhin antwortete er:

“300 Schüler –  und 300 Lehrer!”

Doch dies ist eine ganz andere Geschichte…!

Mary Poppins at school wird jetzt für ihr leibliches Wohl sorgen. Sie vertröstet Sie auf später, um Ihnen ein anderes Mal von dieser höchst verwunderlichen, der faszinierendsten Schule der Welt zu erzählen! Bon Appetit!