Neulich erschien erneut eine SoPäd, um einen Antrag auf Lernförderung für ein Kind in meiner Klasse entgegen zu nehmen. Ich hatte ihn – auf ihr Anraten hin –  für eine Schülerin in meiner Klasse gestellt.

Nachdem wir die Formalitäten erledigt hatten, erzählte ich ihr von der 1. Klassenarbeit, die ich kürzlich mit den Drittklässlern geschrieben hatte.
Es war ein wenig Improvisieren angesagt, in unserer JÜL-Klasse findet sich derzeit ein Gruppe von sechs Drittklässlern, von denen immer mal wieder der eine oder andere fehlte, so dass ich mehr als eine Woche darauf wartete, möglichst alle Schüler zum Schreiben der Klassenarbeit zusammenfassen zu können, um zeitsparend vorzugehen. (Alle Schüler, die fehlen, schreiben die Arbeit nach, sobald sie wieder gesund sind.) Heute erschien Penelope in der 1.Stunde zwar spät, doch sie kam noch zur Schule, immerhin. Also legte ich in der 3. Stunde los mit sechs Aspiranten, alle freuten sich schon auf die Klassenarbeit.

In Absprache mit den netten Kollegen im Team von Mary Poppins at school wollte ich mich für 60 Minuten mit den sechs Klassenarbeitsschülern in unseren Teilungsraum gegenüber des Klassenzimmers setzen, um die Kinder dort bestmöglichst zu betreuen.

Übrigens bietet das Team von Mary Poppins at school  erstaunlich viel Freiheit! Die meiste Freiheit, die ich bislang auf meinem Berufsweg erfahre, erfahre ich hier mit meinen fünf Teamkollegen, das gefällt mir richtig gut!
Jeder Kollege kann so auf eigene Weise zu seinem Glück kommen, ich habe schon ganz andere Teams erlebt, denen ich als Musikkollegin zugeordnet war. Dort herrschte ein einschüchternder Ton und man wurde ziemlich von oben herab behandelt, so dass Mary Poppins at school während der wöchentlichen Teamsitzungen lieber ihren hübschen Gedanken nachhing als teaminterne Konflikte herauszufordern.

Im Teilungsraum war geplant, den Schülern die sechs Seiten der Klassenarbeit zu erklären, so dass sie anschließend die ihnen gestellten Aufgaben lösen konnten. (Es handelte sich hierbei um Aufgaben zur Identifizierung von Nomen/Verben/Adjektiven, zum  Textverständnis, zur Wörterbucharbeit usf.) Wir kamen zügig voran mit dem Besprechen aller Aufgaben und als auch der letzte unbekannte Begriff erklärt worden war, waren meine Dritties bereit… Mir hatte meine Kollegin, die Klassenleiterin der Parallelklasse, am Morgen noch den Hinweis gegeben, ich könnte die Schüler durchaus in unserem Klassenraum – zusammen mit den anderen – die Arbeit schreiben lassen, da sowieso jedes Kind eine andere Aufgabe bearbeiten würde. Wir wanderten also wieder zurück in unseren Klassenraum, in dem die Ersties und Zweities bereits selbstständig in ihren Selbstlernheften gearbeitet hatten.
Nun gingen alle ungestört ihren Arbeiten nach. Die Dritties schrieben unabhängig voneinander an ihren Arbeiten, ich hatte sie zu Beginn des Schuljahres jeweils neben einen Schulanfänger oder Zweitklässler gesetzt.

Nach 60 Minuten war die Zeit um, und alle gaben ihre Arbeiten ab. Meine Dritties wirkten sehr zufrieden.

Zwei Stunden später tauchte nun die SoPäd auf und ich erzählte ihr, wie angetan ich davon war, dass sich derart leichtfüßig eine Klassenarbeit (unsere 1.) mit den Dritties schreiben lässt… bevor sie den Klassenraum wieder verließ.
Sie brachte große Bewunderung für die Art der Kinder zum Ausdruck, wie diese auch eine solch ungewohnte Arbeit bewältigt hatten – konzentriert und, ja, man kann schon sagen, professionell. Sie staunte über so viel Eigenständigkeit und den hohen Grad an Eigenverantwortlichkeit, den die Kinder aufweisen. Dem war nichts mehr hinzuzufügen, alle Schüler hatten das fabelhaft gemacht! Nun fügte ich auch noch hinzu, dass ich sogar einmal den Raum gänzlich verließ, um einen Telefontermin mit dem Veranstalter unserer Faschingsfeier wahrzunehmen, die wir zwei Wochen später besuchen wollten.Es liegt auf der Hand, dass ich den Telefontermin nicht eingerichtet hätte, wenn ich gewusst hätte, dass meine Dritties eine Klassenarbeit schreiben!
So ging ich rasch fort, um mich kurz mit ihm zu der Faschingsfeier abzustimmen.
Als ich zurückkam, bestätigten mir alle, wie leise sie gearbeitet hätten, jeder für sich.

Ich lobte alle über den grünen Klee; mich beeindruckt diese Klasse immer mehr. Wie sehr mein Vertrauen gewachsen war in diese Kinder, seitdem ich meiner eigenen inneren Stimme immer mehr folge, ihr sozusagen dicht auf den Fersen bin! Herrlich! Wieviel Erleichterung ich seitdem verspüre, die Klasse nicht mehr auf Schritt und Tritt kontrollieren zu müssen und seitdem mein Vertrauen in mich gewachsen war. Ich verspüre jeden Tag ein wenig mehr Vertrauen und Frieden, jeden Tag verspüre ich mehr Frohsinn, Gelassenheit und Stärke.
Was für ein Wandel da im Gange ist! Seitdem ich achtsam auf meine innere Stimme höre, meinen `Navi` achte und wertschätze, ein Navi, der mich wie ein leitendes System durch den (Schul-)Alltag navigiert, einzig, indem ich auf meine Gefühle achte.

Über dieses Navi – unser Leitsystem – verfügen wir alle, es steht jedem von uns zur Verfügung.
Es hält uns immer informiert… Gute Gefühle, ja, positive Gefühle = hier entlang!
Schlechte Gefühle oder negative Empfindungen, STOOOOOOPPP! = Abbiegen… anders herum – oder einfach nach rechts oder links gucken, um Ablenkung zu finden bei dem, was gerade (mit einem) geschieht.

Aaaaaahhhhh, Wohlgefühl, ich komme! Jaaaa, hier gefällt es mir gut! Wohlgefühl, bei dir bin ich  Zuhause! Hier gefällt es mir! Jawoll, je mehr ich darauf achte, mich mit dem Guten, dem Schönen, – dem, was ich wertschätzen kann -, verbinde, umso leichter fällt mir das, es zu tun.
Ein angenehmer Gedanke zieht den nächsten an, versuchen Sie es einmal! Denken Sie an etwas, was Ihnen ein Lächeln auf Ihr Gesicht zaubert, an Ihre liebe Familie, Ihren Partner oder daran, wie sehr Sie es lieben, sich mit Ihren Freunden bei Sonnenuntergang zu vergnügen. Vielleicht erinnern Sie sich jetzt an den letzten Kinobesuch oder an einen komischen Moment mit Ihren Liebsten, alles ist erlaubt! Doch zurück zur SoPäd… Sie schien maßlos verzückt. Natürlich freute sich Mary Poppins at school über so viel Anerkennung, damit hatte sie gar nicht gerechnet.

Und die SoPäd setzte fort, solche Kinder… nein, sowas hatte sie wirklich noch nie gehört.
Wirklich.. noch nie.