Ich habe eine liebe Kollegin, – Sylvie – , die ich ganz in mein Herz geschlossen habe. Als ich neu an diese Schule kam, unterrichtete sie noch eine der Willkommensklassen, also die Flüchtlingskinder, und ich wusste, dass sie ihre Arbeit ganz gerne machte. Zwar war sie hin und wieder am Stöhnen über den einen oder anderen Schüler, doch hatte sie grundsätzlich eine warmherzige Art, mit ihren Schülern umzugehen und sie war immer ausgesprochen hilfsbereit mir gegenüber. Mit Sylvie gab es schließlich immer etwas zu lachen, sie nimmt das Leben nicht so schrecklich ernst wie so mancher unserer Kollegen und Kolleginnen.

Am Ende der 1. großen Pause gehe ich durch das Lehrerzimmer, um den Hausmeister per Haustelefon anzurufen. Ich wollte ihn bitten, die Papierhandtücher an unserer Spüle aufzufüllen, sie waren seit Tagen leer.
Als ich zwischen den Tischen entlang laufe, höre ich plötzlich hinter mir eine Stimme… „Gibst du mir noch die Liste, du Süße? – Ja – ? Kannst du sie mir hierher legen, Süße?“

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Ich drehte mich völlig verdattert um. Das waren komplett neue Töne für mich.
Noch dazu in einem Lehrerzimmer… hier liefen noch weitere Kollegen umher, die Stimme und ich waren nicht mal allein.

Was war DAS?

Da kam es gleich noch einmal, quer durch unser Lehrerzimmer, für alle hörbar: „Ja, ich sage Süße zu dir!
Ich hoffe, das ist in Ordnung?“
Es war Sylvie, die mich so nannte, und sie war für einen Moment unsicher, doch das verging schnell.
Ich drehte mich zu ihr um und nickte kurz, aber kräftig, und wir lachten. Meine Musikkollegin Britta merkte auf (sie war am Korrigieren), und reagierte ebenso überrascht, wie Sylvie mit mir sprach – und wir lachten alle drei über Slylvies ungewöhnliche Ansprache, Sylvie lachte mit.

Ich dachte so bei mir… was für eine nette Kollegin!

Sylvie ist einfach wunderbar.
Nun kam sie auf mich zu, sah an meinem Rock herunter, und freute sich über meinen schönen Rock, den ich trug: „Ach, und dein Rock ist auch wieder so hübsch, der hat soo schöne Farben!“ Ich bedankte mich für ihr herrliches Kompliment, und wir gingen unserer Wege.
Heute morgen hatte ich ein BOPA auf mich selber gemacht ( BOPA steht für Book of Positive Aspects), das ich total gerne nach dem Frühstück mache. Danach flog ich – wie meine Schwester Mary Poppins mit ihrem Schirmchen – zur Schule, ich fühlte mich einfach wunderbar.
Im BOPA schreibt man übrigens auf, welche positiven Aspekte einem zu einem gewählten Thema einfallen; es lässt sich zu allen Themen machen wie über den Beruf, Partner, Kinder, Finanzen usw. Das BOPA wurde nun ein zweites Mal wirksam, und bescherte mir und Sylvie einen so belebenden Moment, wir haben ihn jedenfalls sehr genossen!

Schon bald, nachdem ich Sylvie kennen gelernt habe, habe ich immer wieder  wertgeschätzt an ihr, was sie so besonders macht… Sie besitzt eine rücksichtsvolle und verständnisvolle Art, die mir schon immer gefiel. Ich kam bald näher mit ihr in Kontakt, da sie zur Leiterin einer meiner beiden 4. Musikklassen wurde, als die Sprachförderklassen aufgelöst wurden. Ich erinnere mich gut, wie sie mehrmals zu mir sagte, wenn du mir Positives über Schüler meiner Klasse aus dem Musikunterricht erzählst, freue ich mich immer ganz besonders!
Dabei wirkte sie sehr berührt und es war ihr anzumerken, dass sie dies aufrichtig freute.

Sylvie ist einfach ein Schatz, und wir lachten häufig zusammen; auch in den Momenten, in denen Schüler ihr das Leben schwer machten, konnten wir diese Schwere einfach fortlachen. Das halte ich für eine großartige Eigenschaft, die Sylvie besitzt, und ich denke gern an ihre weiche, besondere Art zurück.

Schließlich kann ein  „Gibst du mir noch die Liste, du Süße?“ nur von jemand wie Sylvie kommen… finden Sie nicht auch?

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