Ich bekam die Aufgabe von meiner Kollegin Carla, zwei neuen Kindern, Elvin und Penelope, Förderunterricht zu geben.

Ich ging durch den Klassenraum, um den gegenüberliegenden Raum aufzusuchen, hier trafen wir uns drei Mal in der Woche zur Förderstunde. Dabei kam ich an Laetitia vorbei, die ich einige Zeit lang in der Förderstunde unterrichtet hatte. Nun  hieß es also Abschied nehmen von der kleinen Lerngruppe um Laetitia; Marlon und Jamie waren auch noch dabei gewesen, nun bekam ich also neue Kinder.
Laetitia, Marlon und Jamie hatten – aus Sicht der Klassenlehrerin –  genug Förderunterricht bekommen.

Laetitia war traurig. Sie konnte sich nicht erklären, warum zwei andere Schüler gegen die Drei `ausgetauscht`wurden, noch dazu so plötzlich, ganz ohne Ankündigung. Ich spürte Laetitias Enttäuschung, dass sie keine Förderstunden mehr erhalten sollte bei mir. So blieb ich neben ihr stehen und beugte mich hinunter zu ihr, um sie zu trösten:
“Laetitia. weisst du was? Frau Dienella schickt von nun an andere Kinder zu mir zum Förderunterricht. Und das bedeutet…. du hast dich richtig, richtig verbessert! Wow!”

Laetitia war immer noch mürrisch. Ich erwartete keinesfalls, dass sie sofort in Freudentaumel ausbrach. Sie war einfach enttäuscht über die Entscheidung ihrer Klassenlehrerin. So schnell mochte sie meiner Erläuterung nicht folgen.
Ich ließ sie zurück in dem Wissen, dass Laetitia in Zukunft sicher eine schöne Zeit haben wird.

Kein Wunder, dass Laetitia traurig war über die Entscheidung ihrer Klassenlehrerin… Sie hatte Sorge, dass das lose geknüpfte Band zwischen ihr und den anderen beiden Kindern dieser Fördergruppe schon bald wieder im Winde verwehen könnte. In unseren letzten Förderstunden hatten mir nämlich Laetitia und Jamie voller Begeisterung erzählt, dass sie nun gemeinsam das Schwimmbad besuchen, Laetitias Mama hatte das organsisiert für die Zwei und sie begleitet.      13066916835_03b33ee300   Jedes Mal, wenn wir uns zusammengesetzt hatten zum Förderunterricht, wirkten Jamie und Laetitia von da an völlig verändert. Sie waren motiviert, zu lernen, lachten, und wirkten begeistert darüber, wie sie im Handumdrehen viele kleine Lernerfolge beim Lesen oder unseren Sprachspielen erzielten. Wir waren in kurzer Zeit eine lustige, aufgeweckte Lerngruppe geworden, in der sich alle sehr, sehr wohl fühlten. Hinzu kam, dass ich Jamie und Laetitia vorgeschlagen hatte, Marlon mit in ihre kleine “Freizeit-gruppe” aufzunehmen, er saß immer mit großen Augen dabei, wenn vom neuerlichen Schwimmbadbesuch seiner beiden Mitschüler die Rede war. Ich fragte Laetitia und Jamie, ob sie Marlon das nächste Mal mit ins Schwimmbad nehmen würden, er wäre so gerne dabei!

Marlon war sichtlich angetan von meinem Vorschlag .
Er sehnte sich nach mehr Spaß, Ausgelassenheit und Freude, und in Jamie hatte er dafür einen passenden Zeitgenossen gefunden, denn Jamie stand der Sinn ordentlich nach Herumalbern oder Faxen machen. Darum beneidete ihn Marlon sichtlich, ein wenig mehr Leichtigkeit und Spaß, das war`s…
Bei unserem letzten Treffen hatte es geklappt, Jamie hatte sogar gefragt: “Hat Marlon seine Telefonnummer mitgebracht, damit Laetitias Mama ihn anrufen kann, wenn wir wieder ins Schwimmbad gehen?” Ich lobte Jamie dafür, dass er (mich auch) daran erinnert hatte, Marlon solle seine Telefonnummer mitbringen, damit die Drei sich zusammen vergnügen können im Schwimmbad… im Kino… Laetitias Mama war immer bereit!

Und siehe da – einen Tag später hatte Marlon einen Zettel mit der Handy Nummer seiner Mutter mitgebracht, um sich mit Jamie und Laetitia verabreden zu können. Ich freute mich so sehr mit allen drei, doch besonders für Marlon!
Sie wirkten so beflügelt, dass sie – ganz nebenher – durch die Mini-Lerngruppe zu neuen Freundschaften fanden. Das gefiel uns allen sehr und ich erinnere mich gern an diese Begebenheit, während ich sie für meinen Blog aufschreibe. –

Über Laetitia lässt sich sagen, ich habe sie weiterhin in meinem Unterricht, da ich in dieser Klasse Musikstunden gebe.
In unseren Musikstunden wirkt sie nun erheblich sicherer und ausgeglichener auf mich als zu Anfang. Ich bin mir ganz sicher, dass sie von nun an beständig ihren eigenen freudenreichen Weg (mit weiteren Einladungen zu Geburtstagen oder Ausflügen ins Schwimmbad) geht, da sie einen Geschmack davon bekommen hat, wieviel Spaß man haben kann, wenn es darum geht, gemeinsam aufgeregt am Nachmittag mit seinen Mitschülern die Umgebung zu erkunden!