Livia kam erneut nach unserer Musikstunde, um sich bei mir für die schöne Stunde zu bedanken. Diesmal entwickelte sich folgender Dialog mit den umherstehenden Mädchen, die Livias Freundinnen sind: „ Ach, Frau Armbrecht, ich möchte mich bei Ihnen für die schöne Musikstunde bedanken! Es hat mir wieder soo gut gefallen mit Ihnen und ich habe wieder etwas dazu gelernt!“
Ich erwiderte: “Ah, danke! Das ist schön, Livia, dass du immer zu mir kommst und mir so etwas sagst! Ich freue mich so sehr darüber! Und was ist es, das du dazu gelernt hast?“
„Jetzt weiss ich endlich, was eine Viertelnote ist…“
„Nanu, ich dachte, dir wäre sie bekannt, du spielst doch Blockflöte, und dann auch noch auf unserem Vortragsabend demnächst. Das wundert mich! Hat dir dein Flötenlehrer das nicht erklärt? Oder deine Lehrerin…?“
„Ja, das ist eine Frau – und immer wenn sie sagt, nach der Viertelnote machst du jetzt eine Pause, wusste ich gar nicht, was sie meinte, das war schon dumm.“
„Das kann ich mir vorstellen! Komisch, dass sie dir die Notenwerte nicht erklärt?“

Und dann sagte ich etwas zu Livia, das mich selber erstaunte, doch fühlte es sich richtig an – also legte ich los. „Aber weisst du was, Livia, macht dir der Unterricht bei ihr Spass?“

„Nee, das auch nicht, ich werde demnächst wechseln, das mache ich.“ „Ahh, okay, nur, ich finde – wenn sie dir das nicht erklärt hat, ist das nicht so schlimm, das Spielen deiner Flöte sollte dir einfach Spass machen!“
„Ja, da haben Sie recht!“

Plötzlich ertönte es lautstark neben mir: „Frau Armbrecht, Sie sind die beste Musiklehrerin, die ich jemals kennengelernt habe!!“ Und da Livias Klassenfreundinnen alle um uns herumstanden und uns aufmerksam zuhörten, stimmten auch sie ein in den Chor von „Mary Poppins at school, du bist die beste Musiklehrerin der ganzen Welt!!“ Besonders Mirabel, eine der ältesten und größten Schülerinnen der Klasse, drückte mir noch einmal ihre ganz persönliche Anerkennung und Freude aus, als sie hinzufügte: „Ja, das stimmt, ich habe noch nie eine bessere Musiklehrerin als Sie kennen gelernt!“
Ich strahlte.

Was für wundervolle Schülerinnen! Wie sie alle da standen und mir so schöne Komplimente machten – dies war ein besonderer Moment für mich.
Mich überkam der Wunsch, meine grenzenlose Freude durch eine Umarmung ausdrücken zu können. Ich nehme Kinder gern in den Arm, um sie an mich zu drücken und ihnen so meine Zuneigung und Dankbarkeit zu zeigen.
Ich fragte Livia – – – „ Darf ich dich einmal drücken?“

Ich breitete ein wenig meine Arme aus. Livia freute sich. Sie lachte und antwortete spontan mit „Jaa!!“

Also ging ich ein wenig in die Knie (schließlich war Livia doch kleiner als ich, noch dazu saß ich nicht auf meinem Lehrerstuhl) und legte sanft meine Arme um sie. Als die Umherstehenden das sahen, zögerten sie nicht lange… Mirabel… Isabel… Aurora … , so dass wir lachend alle zu einer freudigen Umarmung zusammenkamen, bevor wir uns winkend voneinander verabschiedeten.