Wieder war mir etwas Neues für meine Förderstunden eingefallen, damit sie lebendig und interessant bleiben. So fragte ich Laetitia (8), Marlon (7) und Jamie (7), nachdem einige gemeinsame Förderstunden vergangen waren, zum ersten Mal: „Was hat euch am besten in der Stunde heute gefallen?“  Ihre Antworten waren Musik für meine Ohren. Am schönsten war, dass alle drei Schüler Antworten gaben, die voller Wohlklang waren.
Svea fing an…
„ Mir hat am besten gefallen, dass ich Marlon und Jamie helfen konnte!“ Mich freute das so sehr für Laetitia! Sie war so kundig gewesen in allem. Die zwei Boys hatten sich gerne an Laetitia gewandt, um sich Hilfe zu holen.

Laetitia war bislang so sehr geschmäht worden. Aus verschiedenen Gründen hatte sie ein Selbstbild aufgebaut, das ihr ein Feedback anderer Kinder vermittelte, welches für Laetitia zumeist Hoffnungslosigkeit bedeutete. Ich hatte beobachtet, wie sie kaum Kontakte zur Klassengemeinschaft unterhielt (Laetitia war auch Schülerin in einer meiner Musikklassen) und dadurch meist mit wütender oder gelangweilter Mine anzutreffen war, egal, was in Musik gerade auf dem Programm stand.

Die Laetitia, die bisher immer unter „ferner liefen“ anzutreffen war, genau diese Laetitia holte nun auf – und zwar so sehr, dass sie gleich auf die Überholspur abbog… Wusch! … Schschscht… An den anderen vorbei!
Laetitia hatte einen großartigen Wandel durchlaufen.
Laetitia war klasse.

Wie gerne helfen Kinder anderen Kindern, doch besonders die, die eine ganze Zeit lang selber am dringlichsten Hilfe gebraucht hätten – und keiner für sie da war. Laetitia hatte nicht gerade die Sonnenseite des Lebens erlebt. Sie war mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte zur Welt gekommen (früher sagte man “Hasenscharte”) und trug zudem eine Zahnspange (oben und unten).
Sie litt vermutlich unter einer Mutter, die recht kühl auf mich wirkte. Als wir einmal miteinander sprachen, erinnere ich mich, wie schroff sie über Laetitia sprach … Auch Laetitias Klassenleiterin schien nicht sehr angetan von Laetitia, da sie sich als Einzelgängerin nicht recht in die Klassengemeinschaft einzufügen wusste.

Laetitia war sicher ungewollt als Lonesome Cowgirl unterwegs gewesen, denn es fehlte ihr an Sozialkompetenzen. Doch nun blühte sie auf bei mir im Förderunterricht und avancierte zur Besten der Gruppe!
Es war eine unendliche Freude, das zu sehen.

Marlon antwortete sodann: “Mich hat am meisten gefreut, dass Laetitia mir so geholfen hat!” Aha, eine erste ganz und gar dankbare Seele, Marlon wirkte richtig erleichtert. Ich freute mich mit ihm!
Ich leite die Kinder gern dazu an, sich gegenseitig zu helfen, anstatt den Lehrer zu befragen. Ich weiss von ihrem Stolz, das sofort umsetzen zu können, von ihrem Mut und ihrem Können, Hilfe bei ihren Mitschülern einzuholen sowie selber Hilfe anderen zu geben.

Nun schloss sich auch noch Jamie an mit den Worten, “Mir gefiel am besten in der Stunde, dass Laetitia mir geholfen hat!”

Good pupils! Good guys! You rock!