Enrique

Enrique ist ein wunderbarer Junge. Enrique folgt auffallend oft seinem Inner Being. Mit seinen sechs Jahren wirkt er umwerfend glücklich. Er wirkt glücklich und zufrieden in seiner Welt.

Man könnte meinen, alle Kinder wären mit sechs Jahren ein Bündel voller Good Vibes, also voller guter Energie, doch dem ist nicht so.
Mary Poppins at school hat beobachtet, dass es die Kinder sind, die voller Vertrauen und Zuversicht etwaige Hürden im Leben zu nehmen scheinen, die beständig den Kontakt zu ihrem inneren Wesen halten können, so dass sie sich führen lassen von ihrem “GPS”. Sie lassen sich dorthin führen, wo es sich gut anfühlt, da, wo die guten Gefühle sind.

Das ist es, was Enrique förmlich aus dem Ärmel schüttelt.

Enrique hat sich rasch verändert. Zu Schuljahresbeginn wirkte er ein wenig unsicher und zögerte seine Entscheidungen immer wieder hinaus. Doch es gelang ihm bald, seinen guten Draht zu seiner inneren Stimme (wieder) aufzunehmen; dann wirkte er richtiggehend „connected“, also angeschlossen an den Energiestrom, der durch jeden von uns hindurchfließt.

Enrique hatte sich bereits vor Schulbeginn auf die Schule vorbereitet. Sein Vater erzählte mir einmal, dass er sich die meisten Buchstaben selber beigebracht hatte. Er hatte das Lesen genauso vorbereitet wie das Schreiben(!).

Insgeheim hatte ich Enrique in mein Herz geschlossen für sein großes Engagement. Wir beide ähnelten uns sehr, denn unser Schulanfang verlief ähnlich. Auch ich hatte vor Schulbeginn meine Alphabetisierung in meine eigenen Hände genommen – mit Hilfe meiner beiden älteren Brüder. Sie starteten vier bzw. zwei Jahre vor mir mit der Schule und ich sah ihnen so neugierig über die Schulter, dass auch ich bald lesen und schreiben konnte.  Die Zahlen liebte Enrique genauso, denn auch sie studierte er eingehend, bevor es mit der Schule losging bei dem kleinen Kerl. Ich merkte Enrique an, wieviel Begeisterung er hineingelegt hatte in sein Unterfangen, vor der Schule bereits einen Teil der Buchstaben und der Zahlen von 1 bis 10 gelernt zu haben.
Er warf sich so sehr ins Zeug in den ersten Wochen, wenn es ums Schriftliche ging!

Nach ca. sechs Wochen hatte ich zum ersten Mal die Arbeitshefte der Kinder eingesammelt, um sie – abwechselnd in Deutsch und in Mathe – mir genauer anzusehen; ich wollte den Kindern ein Feedback über ihre schriftlichen Arbeiten geben. Als ich Enriques Arbeiten korrigierte, stellte ich fest, dass er ein Kind mit Förderbedarf ist; er wirkte noch recht unsicher beim Schreiben und Rechnen und machte zu viele Fehler. Ich besprach mit Enrique alle seine erarbeiteten Seiten in den Arbeitsheften und erklärte ihm, um einen guten Start an der Schule zu bekommen, wäre es besser für ihn, den Förderunterricht zu besuchen.

Enrique wirkte gelassen. Er nahm meinen Kommentar unbeeindruckt auf und setzte seine hoch konzentrierte Arbeitsweise in meinem Unterricht fort. Er bekam Förderunterricht, wobei ich ihm und seinem Papa erklärt hatte, dass ich dies als “temporäre Maßnahme” betrachten würde – für die nächsten drei Monate. Danach könnten seine Schwankungen ausgeglichen sein und Enrique den Förderunterricht verlassen.

Was mich bei der ganzen Sache am meisten beeindruckte, war Enriques Lebensfreude.
Er blühte nun erst recht auf. Enrique blühte immer noch mehr auf… es war eine reine Freude, das zu sehen! Von Anbeginn an war er derjenige gewesen, der bei meinen Späßen, die ich mit den Kindern machte, als Erster loskicherte, Enrique und ich hatten denselben Sinn für Humor. Dies macht er bis heute. Er ist ein Kind, das sich auf wundersame Weise in meinem Unterricht amüsiert. So oft wie er hat noch kein Kind gelacht über so manchen Spaß von mir und er wirkt immer herrlich unbekümmert dabei. Ja, er wirkt einfach glücklich!
Bei allem, was er erzählte! Ich hätte ihm am liebsten den ganzen Schultag zugesehen, mit welcher Liebe er uns – unerschüttert von seinen Leistungen in der Schule – von seinen Hobbys… seinen Freunden… und vieles mehr erzählte. Enrique war zu bewundern. Das Lernen bereitete ihm mehr Mühe, als er anfangs vermutete, doch nahm er sich das nie zu Herzen. Er strahlte weiterhin vergnügte Lebenslust aus und wirkte frohgemut. Mit seiner Warmherzigkeit wurde er schnell zum Leuchtturm unserer Klasse; er ermutigte andere Schüler, es ihm gleich zu tun, sich seiner stets frohgemuten Art anzuschließen.
Da war es auch kein Wunder, dass es ihm gelang, auf umwerfende Art erstaunliche Unabhängigkeit zu zeigen. Es war deutlich zu spüren, Enrique hätte nie seine Verbundenheit zu seinem inneren Wesen zugunsten eines anderen Kindes aufgeben, um diesem zu gefallen oder gar dessen Freundschaft zu gewinnen, dafür wirkte sein beständiger Zugang zu seinem Kraftort Nummer 1 viel zu sättigend und aufbauend. Es ist außerordentlich beglückend, Kinder zu beobachten, wie sie ihrem inneren Leitsystem folgen und damit zum unverfälschten Ausdruck der Quelle werden.

marypoppinsatschool.de

Mit Enrique scheint die Zeit zu verfliegen und der Unterricht mit Kindern wie Enrique wird zum größten Vergnügen. Mit ihm gibt es sooo viel zu kichern!

Sein Umgang mit den Fehlerlein, die er macht, ist der Beste, den er finden kann.
Voller Schwung – optimistisch und positiv gestimmt – widmet er sich fortan seinen Arbeiten, während er aufmerksam seiner Quelle lauscht, die ihm zuflüstert: “Hold on! Have fun! You are good boy!”