Meine Kollegin Mercedes erklärte mir, dass sie nur noch eine Schülerin überprüfen wird, bevor sie nächste Woche aufgrund ihrer Testergebnisse mit der Förderung einzelner Schüler beginnen wird.

Als Mercedes unseren Klassenraum verlassen hatte – war meine Brille weg.
Ich fragte Manjana (die mir ihre Matheaufgaben zeigen wollte), wo meine Brille sei  – und ob sie sie gesehen habe?
Manjana verneinte. Meine Brille war weg. Ich hatte sie eben noch in der Hand gehalten, doch nun war sie weg. Spurlos verschwunden.
Ich sprang auf und ging zu Mercedes in den Raum gegenüber unseres Klassenraumes. “Mercedes, hast du meine Brille gesehen?? Ich suche sie überall, eben war sie noch da!” Ich sah Mercedes an – was war das für eine Brille auf ihrer Nase??
Die sah doch aus wie meine, doch hatte ich sie, ehrlich gesagt, noch nie bei jemand anders auf der Nase gesehen… Diese Brille.. war doch meine..!
“Mercedes, sag mal, ist das meine Brille?? Die sieht doch aus wie meine Brille!?” “Was?? Nein, das ist meine Brille!” Mercedes reagierte entschieden.

“Nein.., das ist meine Brille…” insistierte Mercedes.

  “Aber Mercedes, die sieht doch aus –  wie meine!”
“Meinst du wirklich?”
“Ja, doch, das ist meine.”
“Warte, ich schau mal in meiner Tasche nach, wo meine ist.”

“Oh, nein, das hätte ich jetzt nicht gedacht, hier ist ja MEINE Brille! Dann habe      ich ja deine Brille aufgesetzt!”

“Oh, Pardon!”, fügte sie rasch hinzu, bevor wir beide in herzhaftes Gelächter ausbrachen.
“Mercedes, ich lach mich schlapp, du hast einfach meine Brille mitgenommen? Du, die sieht deiner aber auch seehr ähnlich.
Warte mal” –  ich sah mir ihre genauer an – “die sieht meiner echt ähnlich.”
“Hast du die auch von….?”
“Ja, genau, da kommt meine auch her, Geschwister, sozusagen!” Wieder lachte ich mit Mercedes über diese Brillen-Geschichte. Ich nahm erleichtert meine Brille an mich, so dass ich mir nun Manjanas Matheaufgaben näher ansehen konnte.

Als ich zu meiner Klasse zurückkehrte, erzählte ich den Kindern, wie komisch ich diese Sache fand – meine Kollegin hatte felsenfest meine Brille für ihre eigene gehalten, und ich hätte beinahe den Rest des Tages ohne meine Lesehilfe verbracht…

Die Kinder hörten aufmerksam zu, bis ihr fröhliches Gelächter meine Erzählung beendete. Was sind das doch für goldige Kinder – immer für einen Scherz zu haben!