pexels-photo-704748Soll es tatsächlich so sein, dass die “MaryPoppins2rules” sich als so erfolgreich herausstellen, dass wir nun in kurzer Zeit bereits zum zweiten Mal – und gleich darauf zum dritten Mal! – ein fabelhaftes Lob bekamen? Ein Lob von qualifizierten, sachverständigen und erfahrenen Kollegen, die uns besuchten, um mit uns in Kooperation zu treten?

Könnte es sein, dass meine Klasse als TOP – Klasse bewertet wurde, da das Ergebnis von nur drei Monaten “MaryPoppins2rules” – Unterricht die drei umgehend überzeugte? Ein Unterricht, der aufgrund seiner `Nebenwirkungen`wie Nachhaltigkeit im Erwerb von diversen Schlüsselqualifikationen im Grundschulunterricht,  hohe Eigeninitiative und Leistungsbereitschaft sowie eine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit der Schüler überzeugte?
Sie hatten ihr eindeutig positives Urteil abgegeben, nachdem sie eine Weile mit den Kindern alleine gewesen waren.
Keine MaryPoppins at school war zugegen gewesen… niemand wurde beeinflusst durch die Klassenlehrerin… niemand war im Raum gewesen, der die Kinder zu einem manierlichen Verhalten hätte anhalten können…

Allein mit den Kindern waren sie ungestört genug, um zu bemerken, dass die Klassengemeinschaft ein sehr einladendes und angenehmes Lernklima versprüht. Sie hatten genügend Zeit, um zu überprüfen, ob sich das als wirklich real herausstellt, was sie mit den Kindern erlebten.

Neulich kam Frau Samt, eine neu eingestellte Integrationserzieherin (Facherzieherin für Integration für die Offene Ganztagsbetreuung) an unserer Schule zu Besuch in unsere Klasse, um zwei Kinder kennenzulernen, die im Hort aufgrund ihrer besonderen Ausbildung von ihr betreut würden. Nachdem wir uns begrüßt hatten und sie im Nachklang einer Musikstunde (sie kam gegen Ende der 1.Stunde herein) die Kinder bei ihrem freudigen Einsatz auf verschiedenen Gebieten beobachten konnte – Unterrichtsgespräch, Singen, Bewegungsarbeit, Tanzen – gingen wir zu einer Mathestunde über.
Die Kinder holten ihre Selbstlernhefte heraus und vertieften sich emsig in ihre Aufgaben. Währenddessen bat ich Frau Samt nun, sie kurz alleine zu lassen, da ich zwei Nachbarklassen aufsuchen müsse, um dort den Inhalt der Vertretungsstunden in den darauffolgenden Stunden mit den Kollegen zu besprechen. Ich versicherte ihr, alsbald zurück zu sein und dass die Schüler selbstständiges Arbeiten gewöhnt sind… sie würden gut zurechtkommen miteinander. Frau Samt reagierte kurz irritiert, doch als sie meine beruhigenden Worte vernahm und noch dazu einen Blick auf die still arbeitenden Kinder warf, die sich ohne Umschweife eifrig an ihre Matheaufgaben gemacht hatten, nickte sie bestätigend: “Ja, natürlich, gehen Sie, ich bin ja hier!”
Sämtliche Schüler kommunizierten längst im Flüsterton miteinander.
Sie lieben diese Vereinbarung, die wir zu Beginn des Schuljahres getroffen hatten, da die meisten von ihnen nur in Stille sich wirklich anhaltend konzentriert ihren Aufgaben zuwenden können.

Als ich zurückkam, waren alle munter am Frühstücken und Frau Samt lachte: “Oh, was sind Ihre Kinder leise gewesen! Die haben ja soooo gut gearbeitet!!” ” Das ist schön zu hören, die Kinder sind einfach toll!” kam es von mir. “Sie sind ganz selbständig geworden und arbeiten so leise und konzentriert! Ach, ich freu mich sehr, das von Ihnen zu hören!”

Plötzlich fiel mir ein, da war doch neulich… da war doch schon einmal jemand, der sich so lobend über die Klasse geäußert hatte… ? Das ist doch noch nicht lange her..
Ich war glücklich darüber, schon wieder auf meine wundervolle Klasse angesprochen zu werden. So erzählte ich Frau Samt: “Stellen Sie sich vor – neulich hat das schon einmal jemand zu uns gesagt! Das war eine Sonderpädagogin, die unsere Klasse besuchte und sie sagte dasselbe den Kindern, wie Sie!” Wir standen immer noch vor den Kindern, die jedes Wort von uns aufmerksam verfolgten. “Die Dame war genauso begeistert vom Verhalten der Schüler wie Sie, doch stellen Sie sich vor – der Anlass war wirklich ein Ungewöhnlicher!” Das wollte Frau Samt genauer wissen, nun wirkte sie für einen Moment wie elektrisiert. Ihre Augen begannen zu leuchten.
Ich erzählte ihr, dass die Sonderpädagogin vor der Klasse auf mich gewartet hatte, und ihr war aufgefallen, wie die Schüler nach der großen Pause von unten nach oben kamen und – wie von Zauberhand geführt – im Klassenraum verschwanden. Sie schilderte mir… jedes Kind hätte selbständig zu seinem Platz gefunden (keine Mary Poppins at school im Raum!), um mit seinen Nachbarn zu tuscheln – sie hätten die Zeit genutzt, um zu kichern und sich miteinander zu amüsieren… Kein Geschubse, kein Herumgerenne, kein Geschrei.

Jetzt wandte ich mich diesen großartigen Kindern zu. “Könnt ihr euch noch erinnern?” Sie nickten.
Viele hörten ganz, ganz aufmerksam zu.

Nun nickten sie aufgeregt.
“Das war so ungewöhnlich, wie mir diese Dame das schilderte… wäre ich nicht kurz zuvor noch rasch zum Kopieren nach oben gegangen, hätte ich wohl nie davon erfahren, dass meine Schüler sich so außergewöhnlich verhalten – während ich gar nicht anwesend war!” Während ich das hier schreibe, wird mir klar, Mary Poppins at school war verschwunden und ihre Schüler benahmen sich wie zur besten Feierstunde – ist das nicht herrlich?  Sie wirkten friedlich und kooperativ, sind das nicht ganz besondere Kinder??

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“Ist das nicht wunderbar?”
Ich strahlte Frau Samt an und sie bekräftigte meine Erzählung mit einem “Ja, so IST es!”, denn sie war selbst kurz zuvor Zeugin von einer Klassengemeinschaft geworden, die sich auf ungewöhnliche Weise umsichtig und fürsorglich zugleich verhält, dass es für alle Beteiligten eine wahre Freude ist.

Plötzlich meldete sich Linus und fügte hinzu: “Frau Armbrecht, dasselbe hat neulich ein Lehrer ja auch zu uns gesagt!”
“Was?
Wen meinst du denn?”
Ich war überrascht. Das waren ja Neuigkeiten!
Ein dritter im Bunde? Und ich hatte gar nichts mitbekommen?
Linus ließ mich Folgendes wissen: “Ja, als du zwei Tage gefehlt hattest, kam ein Vertre-tungslehrer zu uns. Als wir mit ihm Mathe gemacht haben, sagte der, was für eine tolle Klasse wir sind, wir wären so leise!”
“Aha. Wow! So viele Lobe für euch – von allen Seiten – das ist klasse! Das freut mich riesig für euch!” Es war die Rede von Herrn Maierez, einem netten Lehrer aus der Europaschule (aus dem anderen Gebäude quer über den Hof), der in unsere Klasse gekommen war, um eine Vertretungsstunde mit den Kindern abzuhalten.
Mary Poppins at school war entzückt. Sie strahlte.
Ihr wurde bewusst, wie stolz sie auf ihre Schüler war und wie sehr sie sie in ihr Herz geschlossen hatte.
Was für eine erstaunliche Einheit diese Kinder inzwischen mit ihr bildeten! –

Was waren wir für ein starkes Team! Unabhängig, selbständig und frei – wir arbeiten auf einer soliden Grundlage, die ich gelegt hatte für die Kinder.
Eine Grundlage, die jedem Schüler größtmöglichen Raum bietet, interaktiv (aufeinander bezogen) im Klassenraum zu werden und eigenständig seinen Lernweg zu beschreiten. Kommunikation wird bei uns groß geschrieben, gelungene Kommunikation. Alle Kinder erfahren Wachstumschancen, indem sie mit anderen auf freudvolle Weise  kommunizieren.

Dies ist ihnen über den gesamten Vormittag freigestellt, soviel wie sie mögen; soll es hierbei etwas freier zugehen, steht ihnen jederzeit der Flur mit Tischgruppe vor dem Klassenraum zur Verfügung oder ein Teilungsraum direkt vis-à-vis. Hier können Interaktionen wie Vorlesen, Silben klatschen sowie andere Lernfelder, die eine/n erhöhte/n Lautstärke bzw. Bewegungsradius mit sich bringen, ungestört ausgeübt werden. Die Schüler nutzen diese Möglichkeit gar nicht oft. Sie arbeiten freudig an diesem Platz, doch entsteht der Eindruck, dass sie nicht so oft vor die Tür gehen, weil die Lernatmosphäre in unserem Klassenraum behaglich, wohltuend und warm ist.
Schließlich gibt es nur hier die vielen Lobe, die die Kinder in ihrem Tun ermutigen. “Linus, hat Leander dir gut helfen können?” ” Ja, er hat mir den Zehnerübergang erklärt!” “Aah wunderbar, Linus, ein Lob für dich!”

Diese vergnügliche Stunde schloss ich mit den folgenden Worten:
“Meine letzte Lobrunde mache ich mit Stefanie, Mustafa, Sören und Amil,
ihr habt so konzentriert und zielstrebig gearbeitet – super!”