Mary Poppins at school geniesst ihre Sommerferien! Sie war verreist in die wunderhübsche Schweiz, nun startet sie in wenigen Tagen zu einer weiteren Reise… zu einem Reiturlaub, den sie sich schon länger gewünscht hat. Vor den Toren Berlins – durch die Lüneburger Heide – zu reiten, stand schon immer auf ihrer Bucket List, also auf der Liste mit Dingen, die sie unbedingt machen möchte, denn sie liebt Heidelandschaften so sehr!
Schließlich lässt sich hier ausprobieren, wie die Tage hoch zu Ross verlaufen – bevor der Traumurlaub in Neuseeland gebucht wird, ebenfalls hoch zu Ross! 

Weiterhin liebt sie es zu schreiben, auch wenn die Schule nun geschlossen ist und die Kinder nicht ganz nah sind; sie erinnert sich so gern an amüsante Erlebnisse mit ihren Schülern oder Beeindruckendes, das sie durch die Kinder erfuhr… Deshalb geht es auch in den Ferien auf ihrem Blog weiter – als wäre Mary Poppins at school vor Ort – mit Erzählungen aus ihrem schwungvollen Schulalltag, den sie so sehr liebt. 

Zum letzten Mal unterrichtete ich heute in der Sprachförderklasse “Katzen”.
Vor wenigen Wochen wurde angekündigt, dass diese Klasse aufgelöst wird und die Kinder in die Regelklassen aufschließen. Ich erfuhr erst in der Früh, dass Gavin (der Klassenleiter) fehlte, und ich den letzten Schultag dieser Klasse auszurichten hätte.

Bevor wir eine kleine Abschiedsfeier zelebrierten, erlebten wir somit eine letzte Unterrichtsstunde miteinander… die einen erstaunlichen Verlauf nahm.

Für mich hieß es, ein letztes Mal mit einer Klasse zu sein, die ich ein knappes Jahr begleitet hatte und die ich glücklich verabschieden konnte. Noch nie zuvor habe ich eine Klasse so glücklich verabschiedet. Ich sah sie glücklich – und ich habe sie glücklich verabschiedet.

Die letzte Unterrichtsstunde mit ihnen war eine glückliche.
Ich fühlte großes Glück, mit Kindern so arbeiten zu können, wie ich es tat, ich fühlte mich sehr glücklich.

Ich fühlte Wogen des Glücks durch mich hindurchströmen, während ich dasaß und die Kinder beim Arbeiten beobachtete.

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Es schien alles auf einen zurückzufallen, die Kinder arbeiteten konsistent, der Raum war von einer pulsierenden Stille erfüllt, welche das Erlebte mit ihnen noch verstärkte.

Ich konnte beobachten, wieviel Freude im Raum war, wieviel Freude und Zufriedenheit, ja, aufgeregte Freude. Ich hatte ein paar Mathe-Übungsbögen zurechtgelegt, die ich mit den Kindern durchging, und den Raum vorbereitet, in dem wir uns ein letztes Mal trafen. Der Klassenraum der Katzen war bereits geräumt worden, da er bald einem anderen Zweck zugeführt werden sollte. Einer der größten, lichtdurchfluteten Räume in unserer Schule stand leer und war leicht herzurichten für unsere beiden letzten U-Stunden miteinander. Flugs schob ich in der Mitte acht Tische zusammen, so dass jeweils vier Schüler nebeneinander an zwei Tischen saßen – mir gefiel, sie alle an eine einzige große Tafel zu setzen.
Jeder konnte sich seinen Platz aussuchen und wir fingen mit dem Matheunterricht an.

Ich ließ alle Kinder rundherum von 1 bis _ _ _  zählen. Bei 11 fiel die erste Schülerin aus. Um herauszubekommen, wer von ihnen am weitesten sicher zählen konnte, blieb schließlich bei 23 nur noch Romio übrig, der kleinste und jüngste Schüler aus der Runde. Romio war schon immer im Deutsch-Unterricht aufgefallen durch seine zuverlässige und beständige Art, aufmerksam im Unterricht mitzuarbeiten und den anderen bei SchülSchül viel Unterstützung zu bieten.
Mit Romio hatte ich immer ausgesprochen gern gearbeitet, ihn mochte ich ganz besonders.
Romio zählte fehlerlos bis 100. Ich fragte ihn, ob er in 100`er Schritten weiter zählen könne?

Romio nickte. Na, dann – los!
„200 – 300 – 400 – …“ kam es von ihm, bis 1000.
Wow! Romio ist sieben Jahre alt und bei solch ungewöhnlichen Leistungen erkundige ich mich immer, auf welchem Weg die Schüler zu ihrem Wissen gelangten. Er meinte, er hätte in einer der JÜL 1-3 Klassen einen Freund, der ihm das Zählen beigebracht hatte. Prima! Ich freute mich sehr mit Romio, das war eine meisterliche Leistung.

Wenn ich so recht überlege… ist Romio ein hochbegabtes Kind. Innerhalb kürzester Zeit hatte er von allen Schülern in dieser Lerngruppe die größten Fortschritte erzielt. Es war ihm gelungen, mit klarem Satzaufbau zu sprechen und dabei viel Sprachgefühl für die deutsche Sprache zu entwickeln.
So ein kleiner Kerl! Wow!
Er machte das fantastisch, ich hatte Romio oft gelobt für seine Fortschritte, die er machte. Vieles schien ihm zuzufliegen in der deutschen Sprache, denn es wirkte so mühelos, wie er lernte. Obendrein war er stets hoch konzentriert und er achtete auf eine klare, verständliche Aussprache.

Tags zuvor hatte ich erfahren, dass die Kinder während des gesamten Schuljahres bei Gavin kein Minus gerechnet hatten – – – sie hatten nicht einmal Minus gerechnet!
Beim 4-Ecken-Rechnen kam heraus, dass sie mit Minus nichts anfangen konnten, sie verstanden die Operation „Minus“ im Gegensatz zu „Plus“ überhaupt nicht. Oh Himmel, er hatte keine Übungszeit darauf verwendet. Die Schüler hätten dringend (einige waren schon 10 Jahre alt und hatten bereits 1 bis 1 ½ Jahre in der Schule in Deutschland verbracht, wobei sie schon so gutes Deutsch sprachen!) Mathematikübungen im Bereich “Minus”  gebraucht, um auch in Mathe besser auf den Übergang in die Regelklassen vorbereitet zu sein.

Nun ja, ich holte ein paar Mathebögen hervor und gab sie – dem Leistungsstand der Schüler angepasst – den Kindern in die Hand.

Mary Poppins at school zeigte den Kindern Trick 17, um einen guten Start in Mathe zu haben, den sie auf ihrem weiteren Weg immer wieder einsetzen können – unabhängig von Rechenschieber, Rechenplättchen und anderen gängigen Anschauungsmaterial, welches an Grundschulen den Kindern in die Hand gegeben wird, um das Rechnen anschaulich zu vermitteln. Trick 17 ist so simpel, dass ich ihn fast nicht zu erwähnen wage, doch sorgte er für so viel Erleichterung bei den Sprachförderkindern, dass ich ihnen den uralt Trick aus falscher Scham nicht vorenthalten wollte. Auch ist das Rechnen mit Fingern sinngebend, weil wir unsere Finger (im Gegensatz zum oben erwähnten Rechenmaterial) immer dabei haben. Immer. Mit den Fingern lässt sich immer rechnen – im Kinderzimmer, auf dem Spielplatz, in der Bäckerei, sie stehen uns immer zur Verfügung, warum sie also nicht nutzen?

learn-2387228_960_720  Ich setze sie nur ein, um erste Rechenschritte deutlich zu machen und damit Rechenoperationen wie „Plus“ bzw. „Minus“ für Kinder über den Körper erfahrbar werden. Die Aufgabe „2+2“ mit Plättchen ausgelegt, zeigt bereits auf ein höheres Abstraktionsniveau auf, welches insbesondere den Sprachförderkindern und ihrer Lebenswelt während des ersten Schulbesuchsjahres kaum zuträglich ist. Zu einer solch erhöhten Abstraktionsebene gelangen sie von ganz allein, indem sie eines Tages alles Material zur Seite schieben, das ihnen zur Verfügung steht  – und ohne dieses weiter rechnen. Doch bis es so weit ist, halte ich ein erstes Fingerrechnen für unabdingbar, allein, weil sie wirklich immer da sind, bei jedem Raumwechsel, bei jedem unvorhergesehenen Fächerwechsel usf. …Wie oft liegt die Rechenmaschine unter dem Schrank, ist kaputt oder ausgeliehen… Da hilft alles nix.
Kinder (insbesondere Sprachförderkinder) müssen hier sicher sein, sie müssen im Zahlenraum bis 10 Plus und Minus mit Fingern rechnen können und dies vor allem versprachlichen können, damit ihnen immer bewusst ist, was sie eigentlich rechnen oder sie in der Lage sind, anderen die Rechenaufgabe zu zeigen, damit diese sie auch wirklich verstehen.

Ich übte also Minusaufgaben im Zahlenraum bis 10 mit den Fingern mit ihnen ein, hielt meine Hand mit der entsprechenden Zahl der Finger deutlich in die Luft, um ihnen ein Beispiel zu geben, und die Kinder ahmten das nach. Bereits am nächsten Tag konnten sie die Übung allein ausführen, nachdem ich ihnen einige Aufgaben gestellt hatte und sie diese mir eigenständig mit ihren Fingern aufzeigten.
An diesem letzten gemeinsamen Schultag für die Katzen… trug meine Arbeit mit ihnen auf unerwartete Weise Früchte, denn ich erlebte das Schönste, was ich mit diesen Schülern erleben konnte. Freudige Partnerarbeit, freudig und erfolgreich.
Freudig. Freudig, freudig, freudig!

Die Kinder arbeiteten interessiert und völlig entspannt.
Jedes von ihnen erzielte Erfolge, so dass sie erfolgreich ihren letzten Schultag in ihrer geliebten Klasse verbrachten, erfolgreich, erfolgreich, erfolgreich.
Alle Kinder.
Jedes von ihnen. Ohne Ausnahme. Alle.
Erfolgreich. Alle, alle, alle.

Alle waren Champions, alle rechneten wie die Champions, auch die lernschwachen Kinder in Mathe rechneten… und rechneten… wie Champions. Sie machten das so lange, bis die Konzentration sie verließ und sie sich einer anderen Aufgabe zuwandten. Damit waren alle Schüler erfolgreich gewesen, denn sie waren mit Schwung und Interesse bei der Sache. Die Lernatmosphäre war so sehr erfüllt gewesen von Hingabe, Zuversicht und Fleiß, und die Kinder hatten sich einträchtig, emsig über ihre Arbeiten gebeugt, ja, es herrschte Jubel im ganzen Raum.

All das machte mich sehr glücklich.
Sie hatten sich so prächtig gegenseitig geholfen!
Sie waren – jeder – füreinander da.
Sie haben sich gemeinsam der Sache „Minus“ in Mathematik angenommen und waren erfolgreich – keiner blieb zurück! Es war nicht einmal “Ich kann nicht!” oder “Ist das schwer!” oder “Oooch, ich hab keine Lust!” zu hören!
Sie waren alle am Flüstern und schließlich so zufrieden mit ihren Ergebnissen, dass nicht ein lautes Wort nötig gewesen war.
Sie hielten eine wundervolle Sitzordnung inne, die ich flugs zustande gebracht hatte, als ich kurzerhand diesen Raum ausgewählte und ihm eine angenehme Struktur für zwei Stunden gab.
Sie arbeiteten auch mit völlig unbekannten Partnern zusammen – …die sich im Klassenraum der Katzen zuvor am anderen Ende des Raumes befunden hatten. Sie taten das interessiert und ganz ohne Klagen!
Auch Jungen arbeiteten überraschend mit Mädchen zusammen! Dies hatte sich hier vollkommen spielerisch ergeben, und durch die große Kooperationsbereitschaft entstanden neue Lernpartnerschaften wie nie zuvor unter den Schülern.
Alle waren augenscheinlich zufrieden mit ihren Lernpartnern!
Dass alle Schüler an einer einzigen Tischgruppe saßen (wie an einer großen Tafel), hat mir außerordentlich gefallen. Wer weiß, vielleicht hat auch diese ungewöhnliche Sitzordnung für diese Extraportion Harmonie gesorgt untereinander…? Keiner musste ausscheren an den “Katzentisch”, alle waren gleichberechtigt, was ihren Sitzplatz anging. Was für kraftvolle Energien breiteten sich aus unter den Schülern, als es schließlich noch für kurze Zeit in die Stillarbeitsphase ging! Keiner saß alleine – isoliert – an seinem „Tischchen“, keiner weit hinten in der letzten Ecke des Raumes, alle beieinander, alle schienen in sich zu ruhen.

Was für ein betörender Abschluss!
Wir feierten danach mit den mitgebrachten Getränken und kleinen Happen der Schüler das schöne Schuljahr, das die Kinder der Katzen so einträchtig miteinander verbracht hatten! Juchu! birthday-1981334_960_720

 

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